088 – Der Ansprechpartner im Männercafe – Oliver Sprenger

Oliver Sprenger: Ein Mann, der zuhört – und Räume für Gespräche schafft
Manchmal braucht es keinen Therapeuten, keine komplizierten Konzepte und keine langen Wartezeiten. Manchmal genügt ein offenes Ohr, eine Tasse Kaffee und einen Ort, an dem man ohne Vorurteile reden kann. Genau dafür engagiert sich Oliver Sprenger mit grosser Leidenschaft. Als Vizepräsident des Vereins für Männerfragen Liechtenstein und Ansprechpartner im Männercafé in Schaan setzt er sich dafür ein, dass Männer ihre Sorgen nicht länger für sich behalten müssen.
Das Männercafé an der Liechtensteinerstrasse 50 in Schaan ist weit mehr als ein Treffpunkt. Es ist ein niederschwelliges Angebot für Männer – aber auch für Familien und Interessierte –, die einfach einmal reden möchten. Ohne Anmeldung, ohne Verpflichtungen und ohne Berührungsängste.
Aus einer Idee wurde ein wichtiger Begegnungsort
Die Inspiration kam aus Vorarlberg. Dort existierten bereits Männercafés, deren unkompliziertes Konzept Oliver Sprenger und seine Mitstreiter überzeugte. Gemeinsam entschloss sich der Verein für Männerfragen, ein ähnliches Pilotprojekt auch in Liechtenstein zu starten.
Seit der Eröffnung im vergangenen Herbst hat sich das Angebot etabliert. Zwar sei der Anfang nicht einfach gewesen, erzählt Sprenger, inzwischen habe sich jedoch ein fester Kreis von Besuchern entwickelt. Wöchentlich nutzen mehrere Männer das Angebot, um sich auszutauschen, Rat zu suchen oder einfach einen Kaffee in angenehmer Atmosphäre zu trinken. Besonders wichtig sei ihm dabei, dass niemand eine Hemmschwelle verspüren müsse.
„Viele laufen zunächst zweimal am Café vorbei, bevor sie sich trauen hereinzukommen“, beobachtet Sprenger. Ist das Eis jedoch einmal gebrochen, entstünden oft intensive und ehrliche Gespräche.
Reden statt schweigen
Im Mittelpunkt steht der Austausch unter Männern. Nicht als Therapie, sondern als gegenseitige Unterstützung. Erfahrungen teilen, voneinander lernen und Probleme ansprechen, bevor sie eskalieren – das ist das Grundprinzip.
Gerade Männer würden häufig versuchen, Belastungen mit sich selbst auszumachen. Gefühle offen anzusprechen falle vielen schwer. Genau hier setzt das Männercafé an.
Sprenger ist überzeugt, dass viele Konflikte entschärft werden könnten, wenn Männer früher über ihre Sorgen sprechen würden. Oft gehe es um Beziehungsprobleme, Trennungen, beruflichen Druck oder die Frage, wie sich die Rolle des Mannes in einer sich wandelnden Gesellschaft verändert habe.
Dabei betont er immer wieder, dass das Männercafé kein Ersatz für professionelle Hilfe sein wolle, sondern eine erste Anlaufstelle, bevor aus kleinen Problemen grosse Krisen werden.
Der Verein für Männerfragen – Hilfe in schwierigen Lebenslagen
Hinter dem Männercafé steht der Verein für Männerfragen Liechtenstein, der seit vielen Jahren Beratungsangebote für Männer, Familien und Paare anbietet. Das Spektrum reicht von Trennungs- und Scheidungsberatung bis hin zu rechtlichen Erstinformationen.
Besonders wenig bekannt ist, dass der Verein auch ein Männerhaus betreibt – eine geschützte Unterkunft für Männer, die aufgrund familiärer Konflikte kurzfristig nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren können. Mehrere Betroffene nehmen dieses Angebot jedes Jahr in Anspruch.
Mit rund 320 Mitgliedern gehört der Verein zu den grösseren sozialen Organisationen des Landes. Dank eines Leistungsauftrags des Landes kann zudem eine erste juristische Beratung kostenlos angeboten werden – ein Angebot, das insbesondere in Trennungssituationen häufig genutzt wird.
Vater, Familienmensch und „Stehaufmännchen“
Oliver Sprenger weiss aus eigener Erfahrung, wie belastend räumliche Trennungen und familiäre Herausforderungen sein können. Während seiner langjährigen Zeit in Berlin lebte er zeitweise in einer Fernbeziehung und sah seine Töchter oft nur während der Ferien.
Heute lebt der verheiratete Vater zweier Töchter wieder in Liechtenstein. Seine Motivation beschreibt er schlicht: Ihm selbst sei im Leben oft geholfen worden. Nun wolle er etwas zurückgeben.
Diese Haltung prägt auch seine Arbeit im Männercafé. Nicht belehren, sondern zuhören. Nicht urteilen, sondern begleiten.
Ein Ort gegen Einsamkeit
Neben konkreten Problemen sieht Sprenger vor allem die zunehmende Vereinsamung vieler Männer als gesellschaftliche Herausforderung. Früher hätten Stammtische und regelmässige Treffen einen natürlichen Austausch ermöglicht. Heute fehle vielen genau dieser Ort.
Das Männercafé möchte diese Lücke schliessen. Geplant sind künftig zusätzliche Abendöffnungszeiten, damit auch Berufstätige nach Feierabend vorbeischauen können. Ebenso gibt es regelmässige Vater-Kind-Nachmittage, bei denen gemeinsames Spielen und Zeit miteinander im Vordergrund stehen.
Seine Botschaft ist dabei einfach: Niemand muss mit seinen Sorgen allein bleiben.
Engagement auch für Bildungsfragen
Oliver Sprengers ehrenamtliches Engagement beschränkt sich nicht auf soziale Themen. Seit dieser Woche gehört er auch zu den aktiven Mitgliedern des neu gegründeten Vereins für Bildungsfragen, der das Bildungssystem in Liechtenstein kritisch begleiten und mit praxisnahen Vorschlägen weiterentwickeln möchte. Ziel des neuen Vereins ist es, Erfahrungen aus Schule, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenzuführen und konstruktive Impulse für die zukünftige Bildungsentwicklung des Landes einzubringen.
Sein Einsatz in beiden Vereinen zeigt ein gemeinsames Leitmotiv: Menschen zusammenbringen, zuhören und gesellschaftliche Entwicklungen aktiv mitgestalten.
Factbox
Name: Oliver Sprenger
Funktion: Vizepräsident des Vereins für Männerfragen Liechtenstein
Engagement:
- Ansprechpartner im Männercafé Schaan
- Beratung und Unterstützung von Männern und Familien
- Einsatz für niederschwellige Gesprächsangebote
- Aktives Mitglied des gerade neu gegründeten Vereins für Bildungsfragen Liechtenstein
Männercafé:
- Kostenloses Angebot
- Offener Treffpunkt für Gespräche und Austausch
- Regelmässige Vater-Kind-Nachmittage
- Keine Anmeldung erforderlich
Leitsatz:
„Das Wichtigste, was Männer lernen müssen, ist zu reden.“
