084 – Die begnadete Kulturschaffende – Sabine Grohs
Mit Herz, Ideenreichtum und Ausdauer für die Kulturregion Walgau
Wer mit Sabine Grohs spricht, merkt schnell: Hier sitzt eine Frau voller Energie, Kreativität und Tatkraft. Die gebürtige Montafonerin, heute in Bludenz zuhause, ist vieles zugleich – Kulturmanagerin, Autorin, Musikerin, Verlegerin, Netzwerkerin und Ideengeberin. Vor allem aber ist sie eine leidenschaftliche Kulturvermittlerin, die sich mit großer Hingabe für die kulturelle Entwicklung des Walgaus einsetzt.
Seit einigen Jahren leitet sie den Fachbereich Kultur der Region Walgau – einem Zusammenschluss von 40 Gemeinden zwischen Frastanz und den südlichen Walgaugemeinden. Neben den Bereichen Soziales und Umwelt bildet die Kultur eine der tragenden Säulen dieser regionalen Zusammenarbeit.
„Was gibt es Wichtigeres im Leben als Soziales, Umwelt und Kultur?“, fragt Sabine Grohs. Eine Frage, die ihre Haltung treffend beschreibt.

Kultur sichtbar machen
Mit ihrem Amtsantritt brachte Grohs frischen Wind in die Kulturlandschaft des Walgaus. Ihr Ziel war von Beginn an klar: Kulturschaffende vernetzen, sichtbar machen und unterstützen.
Dafür entstand die Plattform „Kultur im Walgau“, die weit mehr ist als ein Veranstaltungskalender. Künstler, Vereine, Musiker, Autoren, Kulturinitiativen und Veranstalter finden dort Informationen, Kontakte und Hilfestellungen für ihre tägliche Arbeit.
Besonders wichtig ist Sabine Grohs dabei der Gedanke des Teilens.
Viele Informationen, die sie früher als Kulturschaffende selbst mühsam recherchieren musste – von Fördermöglichkeiten über Urheberrechtsfragen bis hin zu Medienkontakten – stellt sie heute gebündelt allen Interessierten zur Verfügung.
Ihr Motto könnte lauten: Wissen vermehren, indem man es teilt.
Die Kulturmap – ein Leuchtturmprojekt
Als besonderes Herzensprojekt gilt die Walgau Kulturmap.
Die digitale Karte ermöglicht es, Kulturangebote im gesamten Walgau gezielt zu entdecken. Wer beispielsweise einen Chor, eine Harmoniemusik, eine Theatergruppe, einen Künstler oder ein Brauchtumsprojekt sucht, findet über verschiedene Filter rasch die passenden Angebote in seiner Nähe.
Die Idee stammt von Sabine Grohs selbst. Inspiriert durch ihre langjährige Tätigkeit in der Werbe- und Kommunikationsbranche entwickelte sie ein System, das Kultur geografisch sichtbar macht.
Heute umfasst die Kulturmap mehrere hundert Einträge. Künstler und Kulturvereine erhalten dort sogar die Möglichkeit einer kleinen eigenen Präsentationsseite – eine wertvolle Chance gerade für jene, die keine eigene Website betreiben.
Die Kulturmap ist damit weit mehr als ein Verzeichnis. Sie wird zunehmend zum digitalen Schaufenster der kulturellen Vielfalt des Walgaus.
Haltestelle Kunst – Kultur auf dem täglichen Weg
Ein weiteres Erfolgsprojekt trägt den poetischen Namen „Haltestelle Kunst“.
Die Idee ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: In jeder Walgau-Gemeinde wird eine Bushaltestelle zur kleinen Galerie.
Großformatige Kunstwerke regionaler Künstler verwandeln Wartebereiche in Ausstellungsorte. Doch damit nicht genug: Zu jedem Bild entstehen literarische Texte, Gedichte oder Kurzprosa, die das Werk interpretieren oder weiterdenken.
So begegnen sich bildende Kunst und Literatur auf ganz besondere Weise.
Was als kleine Initiative begann, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem beliebten Kulturformat mit wachsender Beteiligung. QR-Codes ermöglichen inzwischen den direkten Zugriff auf die literarischen Beiträge, sodass Fahrgäste die Texte während der Busfahrt lesen können.
„Haltestelle Kunst“ zeigt exemplarisch, wofür Sabine Grohs steht: Kultur soll nicht hinter Museumsmauern verborgen bleiben, sondern den Menschen im Alltag begegnen.
Die Netzwerkerin
Viele Projekte entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Gespräch.
Sabine Grohs versteht sich weniger als alleinige Initiatorin denn als Ermöglicherin. Zahlreiche Ideen werden von Künstlern an sie herangetragen und gemeinsam weiterentwickelt.
Dieses kooperative Verständnis prägt ihre Arbeit.
Sie sieht ihre Aufgabe darin, Potenziale zu erkennen, Menschen zusammenzubringen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit kulturelle Ideen wachsen können.
Gerade darin liegt eine ihrer großen Stärken: Aus kleinen Impulsen entstehen nachhaltige Projekte mit regionaler Wirkung.
Autorin zwischen Geschichte und Gegenwart
Neben ihrer Tätigkeit im Kulturmanagement ist Sabine Grohs selbst schriftstellerisch aktiv.
Besondere Aufmerksamkeit fanden ihre regionalhistorischen Romane, die im eigenen Großformat Verlag erschienen sind.
Darin verbindet sie historische Fakten mit erzählerischer Gestaltung. Familiengeschichten, Migration, Kriegserfahrungen und regionale Identität werden literarisch verarbeitet und für heutige Leser zugänglich gemacht.
Eines ihrer Werke basiert auf einem umfangreichen Familienarchiv mit mehreren hundert Briefen aus der Zeit zwischen 1870 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Aus diesen Dokumenten entstand ein Roman, der persönliche Schicksale mit europäischer Geschichte verknüpft.
Darüber hinaus engagiert sie sich seit vielen Jahren in feministischen Literaturprojekten und arbeitet an weiteren Veröffentlichungen.
Musikerin aus Leidenschaft
Auch die Musik begleitet Sabine Grohs seit ihrer Jugend.
Sie studierte Musikwissenschaft, spielt Klavier und Cello und ist in verschiedenen musikalischen Formationen aktiv. Besonders schätzt sie das gemeinsame Musizieren, Improvisieren und spontane Zusammenspiel.
Dabei geht es ihr weniger um Perfektion als um die Freude am kreativen Ausdruck.
Diese Haltung spiegelt sich auch in ihrer kulturellen Arbeit wider: Kunst entsteht dort, wo Menschen miteinander in Resonanz treten.
Kultur als Zukunftsaufgabe
Für Sabine Grohs endet Kulturarbeit nicht bei Veranstaltungen oder Ausstellungen. Sie versteht Kultur als gesellschaftliche Infrastruktur.
Deshalb arbeitet sie kontinuierlich daran, die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Kulturverantwortlichen und Kulturschaffenden weiter auszubauen.
Aktuell besucht sie gemeinsam mit ihrem Team die Gemeinden des Walgaus, um Bedarfe zu erheben, Beratungsangebote auszubauen und neue Impulse für lokale Kulturarbeit zu entwickeln.
Dabei bleibt sie ihrem Grundsatz treu:
Kultur lebt von Begegnungen, von Neugier und vom Mut, neue Wege auszuprobieren.
Eine Frau, die Kultur bewegt
Sabine Grohs gehört zu jenen Persönlichkeiten, die selten im Mittelpunkt stehen wollen und dennoch entscheidend dazu beitragen, dass kulturelles Leben entsteht.
Mit Kreativität, Ausdauer, Organisationstalent und einem bemerkenswerten Gespür für Menschen hat sie sich zu einer wichtigen Stimme der regionalen Kulturlandschaft entwickelt.
Der Walgau verfügt heute über zahlreiche innovative Kulturangebote, die ohne ihr Engagement kaum denkbar wären.
Sie baut Brücken zwischen Künstlern, Gemeinden und Publikum – und macht sichtbar, wie vielfältig, lebendig und zukunftsorientiert Kultur im Walgau sein kann.
Factbox: Sabine Grohs
Geboren: 1968
Wohnort: Bludenz, davor fast drei Dekaden in Wien
Herkunft: Montafon
Familie: Mutter von drei erwachsenen Töchtern
Berufliche Funktionen:
- Leiterin Kultur im Walgau
- Geschäftsführerin Großformat Verlag & Marketing
- Autorin
- Musikerin
Schwerpunkte:
- Kulturentwicklung im Walgau
- Vernetzung von Kulturschaffenden
- Literatur und Regionalgeschichte
- Kulturvermittlung
- Feministische Literatur
Wichtige Projekte:
- Kultur im Walgau
- Walgau Kulturmap
- Haltestelle Kunst
- Künstler- und Kulturdatenbank
- Veranstaltungs- und Servicenetzwerk für Kulturschaffende
Publikationen:
- Regionalhistorische Romane
- Familiengeschichtliche Literatur
- Beiträge in feministischen Publikationsprojekten
Motto ihrer Kulturarbeit:
Kultur sichtbar machen, Menschen vernetzen und kreative Ideen wachsen lassen.