079 – Der Erfinder der Panart – Matthias Masu Baumgartner

Ein Leben im Fluss der Farben
Man begegnet ihm nicht einfach – man gerät in seinen Strom. Matthias „Masu“ Baumgartner ist kein Künstler im herkömmlichen Sinn, sondern ein Suchender, ein Findender, einer, der das Sichtbare durchdringt, bis es zu sprechen beginnt. Seine Kunst ist kein Produkt, sondern ein Prozess. Ein Geschehen. Ein leises, manchmal wildes Atmen zwischen Farbe, Form und Seele.
Schon früh zeigte sich diese eigenwillige Verbindung zur Welt der Bilder. Ein Kind, das eine Pietà nachzeichnet – unbeholfen vielleicht, doch getragen von einer inneren Notwendigkeit. Lob war der erste Funke. Doch das Feuer, das daraus entstand, nährte sich aus etwas Tieferem: dem unbedingten Drang, zu gestalten, zu erfahren, zu „tun“.
PanArt – Alles ist Kunst
Der Begriff „PanArt“ ist mehr als eine Wortschöpfung. Er ist ein Weltbild. „Pan“ – das griechische Wort für alles. „Art“ – die Kunst. Zusammen ein Bekenntnis: Alles ist Kunst. Und jeder Mensch trägt sie in sich.
Baumgartners Ansatz ist radikal demokratisch. Kunst ist kein Privileg der Begabten, sondern ein Grundzustand des Menschseins. Sie verschwindet nur manchmal – verschüttet durch Zweifel, Kritik oder das Vergessen der eigenen Wahrnehmung. PanArt will nichts lehren im klassischen Sinn. Sie will freilegen.
Die Technik folgt dabei keiner starren Regel. Im Gegenteil: Das Bild übernimmt. „Nicht du malst das Bild, das Bild malt dich“ – dieser Gedanke zieht sich wie ein leiser Leitfaden durch sein Werk. Strukturen werden gelesen, Formen entdeckt, Figuren entstehen aus dem Untergrund wie Erinnerungen, die sich plötzlich zeigen.
Das Bilderhaus – Ein Ort zwischen Welt und Innenraum
Im stillen Wald von Frastanz-Bodenwald steht ein Haus, das mehr ist als ein Gebäude. Das „Bilderhaus“ ist ein lebendiger Organismus aus Farbe, Material und Atmosphäre.
Hier riecht Kunst. Im wörtlichen Sinn. Baumgartner mischt seine Farben selbst – organisch, lebendig, vergänglich. Sie gären, verändern sich, reagieren. Wie das Leben selbst. Kein steriles Atelier, sondern ein Raum, in dem Prozesse stattfinden.
Wer diesen Ort betritt, spürt schnell: Hier geht es nicht um Perfektion. Hier geht es um Begegnung. Mit sich selbst, mit dem Unbewussten, mit dem, was zwischen den Linien liegt.
Die Spur des „Masu“
Sein Künstlername ist kein Zufall. „Masu“ – ein Wort, das in verschiedenen Sprachen und Bedeutungen auftaucht. „Es tun“. „Es heiligen“. „Es verehren“.
Vielleicht beschreibt es genau das, was sein Leben ausmacht: ein unermüdliches Tun, getragen von einer stillen Ehrfurcht vor dem Prozess selbst. Seine Signatur versteckt sich oft im Bild, beinahe scheu, als wolle sie nicht stören. Denn im Zentrum steht nicht der Künstler – sondern das Werk, das sich selbst entfaltet.
Zwischen Leben und Endlichkeit
Mit zunehmendem Alter wird der Blick weiter – und zugleich klarer. Baumgartner spricht offen über das Ende, ohne Pathos, ohne Angst. Der Tod ist für ihn kein Gegenpol zum Leben, sondern Teil derselben Bewegung.
„Ich war von allem die Ursache“, sagt er. Ein Satz, der nicht belastet, sondern befreit. Verantwortung wird hier nicht zur Last, sondern zur Erkenntnis. Das Leben – ein dichtes Geflecht aus Entscheidungen, Begegnungen, Farben.
Und vielleicht ist genau das der Kern seiner Kunst: eine tiefe Zustimmung zum Dasein.
Warum sich ein Besuch lohnt
Das Bilderhaus ist kein Museum. Es ist ein Erlebnisraum. Wer sich darauf einlässt, verlässt ihn selten unverändert. Es ist ein Ort, an dem man nicht nur Kunst betrachtet, sondern sich selbst ein Stück näherkommt.
Für Kunstinteressierte, Suchende oder einfach Neugierige ist dieser Ort eine stille Entdeckung – fern von großen Bühnen, aber reich an innerer Weite.

Factbox
Name: Matthias „Masu“ Baumgartner
Geburtsjahr: 1946
Begriff: Begründer der PanArt („Alles ist Kunst“)
Wirkungsorte: Vorarlberg, Wien, international (u. a. Belgien)
Besonderheit: Entwicklung eigener Farbtechniken und intuitiver Malprozesse
Bilderhaus: Frastanz-Bodenwald – Atelier, Ausstellungs- und Erfahrungsraum
Künstlername „Masu“: Bedeutungen u. a. „es tun“, „es verehren“
Werkumfang: Tausende Bilder, über 100 Ausstellungen, internationale Kurstätigkeit
Aktuelle Ausstellung:
Ort: Evangelische Pfarrkirche A. u. H.B. Feldkirch
Titel: Stein und Seele
Künstler: Matthias Masu Baumgartner & Stefan Kresser
Zeitraum: 8. bis 30. Mai 2026
Öffnungszeiten:
Freitag: 13 – 17 Uhr
Samstag & Sonntag: 10 – 14 Uhr
Adresse: Wichnergasse 24, 6800 Feldkirch
Weitere Infos: www.masu-panart.com
Telefon: +43 664 2311246