015 – Der Kabarettist – Jörg Adlassnigg
Ein Lehrer, ein Kabarettist, ein Kämpfer. Jörg Adlassnigg, in Vorarlberg bekannt für seinen scharfzüngigen Humor, musste vor einigen Jahren die schwerste Entscheidung seines Lebens treffen: Leben mit abnehmender Lungenkapazität oder eine Lungentransplantation mit ungewissem Ausgang? Seine Geschichte ist eine von Leid, Mut, Hoffnung – und einer zweiten Chance.
Der Kampf gegen COPD – Wenn die Luft zum Atmen fehlt
Alles begann mit einer tückischen Diagnose: COPD, eine chronische Lungenerkrankung, verstärkt durch ein Lungenemphysem, das seine Lungenbläschen langsam zerstörte. Lange konnte Jörg mit der Krankheit leben, doch ab einem gewissen Punkt gab es nur zwei Optionen: ein langer, qualvoller Verfall oder das Risiko einer Lungentransplantation.
2019 entschied er sich für den riskanten Eingriff – denn seine Lage verschlechterte sich rapide. Er verlor an Gewicht, konnte sich nicht mehr alleine versorgen und litt unter Atemnot, die ihn schließlich ins CO2-Koma stürzte. Nur die sofortige Einlieferung ins Krankenhaus rettete ihm das Leben.
Die lebensrettende Lungentransplantation
Nach einer Wartezeit von 18 Monaten, in denen jeder Atemzug eine Qual wurde, kam endlich der Anruf: Eine Spenderlunge war verfügbar. Binnen 30 Minuten musste er bereit sein. Das Team in Innsbruck führte die achtstündige Operation durch – mit Erfolg.
Doch der Weg zurück ins Leben war steinig. Das Atmen musste er komplett neu erlernen, und wochenlange Wahnvorstellungen nach der Narkose setzten ihm zu. Doch Jörg kämpfte sich zurück – mit Disziplin, Humor und einer enormen Dankbarkeit gegenüber seinem unbekannten Organspender.
Kabarett, Humor und das Leben danach
Jörg Adlassnigg war nicht nur Lehrer, sondern über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Vorarlberger Kabarettszene. Mit Größen wie Stefan Vögel, Maria Neuschmid und Gabi Fleisch prägte er das Vorarlberger Volkstheater und brachte mit scharfem Witz die Eigenheiten der Region auf die Bühne.
Doch lange war nicht klar, ob er jemals wieder auf die Bühne zurückkehren würde. Heute, 14 Monate nach der Transplantation, hat er fast 100 % Lungenkapazität, trainiert täglich und denkt langsam über ein mögliches Bühnen-Comeback nach.
„Ich bin derselbe geblieben – nur älter und mit einer neuen Lunge“
Obwohl er sich als neuer Mensch fühlt, sagt Jörg über sich selbst: „Ich bin älter geworden, ich bin ein anderer geworden, aber ich bin derselbe geblieben.“ Seine zweite Chance nutzt er nicht nur für sich selbst, sondern auch, um über die Wichtigkeit von Organspenden zu sprechen.
Seine Geschichte ist ein Appell an die Hoffnung, die Medizin und den menschlichen Überlebenswillen – und vielleicht auch eine Inspiration, ihn bald wieder dort zu sehen, wo er hingehört: auf der Bühne.
Factbox: Jörg Adlassnigg
- Alter: 62 Jahre
- Beruf: Lehrer (ehem.), Kabarettist
- Diagnose: COPD mit Lungenemphysem
- Transplantation: Dezember 2020, Innsbruck
- Wartezeit auf Spenderlunge: 18 Monate
- Heute: 100 % Lungenkapazität, tägliches Training
- Kabarett-Kollegen: Stefan Vögel, Maria Neuschmid, Gabi Fleisch
- Zukunft: Mögliches Bühnen-Comeback
Jörg Adlassnigg ist ein Kämpfer mit Humor – und einer neuen Lunge. Sein Überlebenswille, gepaart mit seinem Witz, machen ihn zu einer inspirierenden Persönlichkeit. Wer ihn kennt, weiß: Dieser Mann hat dem Tod ins Gesicht gelacht – und gewonnen.